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2055 – Die Irrfahrt der Menschheit

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Ani Carrington / Foter / CC BY

Mit der Premiere des dokumentarischen Spielfilms „The Age of Stupid“ der britischen Regisseurin Franny Armstrong wurde die Weltklimawoche der Vereinten Nationen in New York eroffnet. Seit kurzem ist das Klimadrama in den deutschen Kinos zu sehen.

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Das Jahr 2055. Die Auswirkungen des Klimawandels haben auf der Erde zu apokalyptischen Zuständen geführt. Die globalen Metropolen gleichen Geisterstädten: London steht unter Wasser, Las Vegas versinkt im Sand und das Opernhaus von Sydney steht in Flammen.

Der letzte Überlebende (der Oscar-nominierte Schauspieler Pete Postlethwaite), Verwalter eines Archivs der Menschheit, kommentiert rückblickend die Ereignisse, welche dazu geführt haben, dass der Mensch seinen eigenen Lebensraum zerstört hat. Die Hauptursache des Untergangsszenariums sieht er in unserer Gegenwart – trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnisse verhinderten wir nicht den Klimawandel. Seine alles entscheidende Frage an den Zuschauer der Gegenwart lautet: „Warum haben die Menschen nichts gegen den Klimawandel unternommen, als sie es noch konnten?“

Anhand von Nachrichtenbeiträgen, kurzen Animationsfilmen und sechs dokumentarischen Einzelschicksalen veranschaulicht er rückblickend die heutige globale Realität. Beispielsweise wird der indische Jungunternehmer Jeh Wadia bei der Gründung seiner Billig-Fluggesellschaft im Jahr 2005 gezeigt, die seinen Landsleuten Flüge zu fairen Preisen ermöglichen soll. Auf die Frage nach den Emissionen von Treibhausgasen antwortet Wadia: „Es gibt viele Industriezweige, die zuerst überprüft werden müssen. Man kann nicht eine spezielle Branche fokussieren, weil wir schließlich alle zum Treibhauseffekt beitragen, zu der Umweltkrise, die wir aktuell auf der Erde erleben.“ Für ihn steht die Eigenverantwortung des Einzelnen im Vordergrund, da jeder einen Beitrag zu mehr Umweltschutz leisten muss. Letztendlich entscheide der Konsument, ob sein Angebot Erfolg haben werde.

Oder Layefa Malemi, Medizinstudentin aus Nigeria. Sie lebt in einer für den Ölkonzern Shell profitablen Region, die mittlerweile aber aufgrund der Umweltverschmutzung kaum mehr bewohnbar ist. Die versprochenen Gemeindeentwicklungsprojekte liegen brach. Allein die korrupte Regierung hat von dem Deal mit Shell profitiert.

Gegenübergestellt wird ihr Alvin DuVernay, der für Shell 30 Jahre lang tätig war und durch den Hurrikan Katarina all seine Besitztümer verloren hat. Er rettete während der Naturkatastrophe 100 Menschen das Leben und bezeichnet sich selbst als Umweltschützer. „Ich habe kein Problem damit für einen Ölkonzern gearbeitet zu haben, bei dem ich denke, dass er eine ziemlich gute Arbeit darin geleistet hat, umweltfreundlich zu sein.“

Novowyr / Foter / CC BY-NC-SA

Ein reales Aufeinandertreffen ergibt sich zwischen der Familie des Windkraftanlagenentwicklers Piers Guy und dem 82-jährigen Bergführer Fernand Pareau, der bei einer Wanderung von dem Abschmelzen der französischen Alpen berichtet. Zurück in der englischen Heimat begleitet die Kamera Guy bei seinem Engagement für den Bau eines Windparks in seinem County. „Wie sollen wir bloß Leute in Indien und China davon überzeugen, dass ihre Entwicklung umweltfreundlicher sein soll, wenn wir noch nicht einmal einen Windpark in der Landschaft akzeptieren.“

Die einzelnen dokumentarischen Beiträge sind nur lose miteinander verknüpft, sie sollen assoziativ aufeinander verweisen. Hierin liegt die Schwäche von „The Age of Stupid“, weshalb der fiktionale Teil, in dessen Zentrum sich der Archivar befindet, in den Dokumentarfilm eingefügt wurde. Die mahnende Stimme aus der Zukunft soll den Zuschauern den richtigen Weg weisen, schlägt jedoch den falschen ein. Zu oft sind die Kommentare zu moralinsauer und werden die Klimawandel-Zweifler eher abschrecken, anstatt sie mit objektiven Argumenten zu überzeugen.

Ebenfalls fehlplatziert ist ein Animationseinspieler, in dem der globale Konsumismus einseitig als die Wurzel allen Übels gegeißelt wird. Layefa Malemi, selbst Opfer der Ressourcenerschließung von Shell, veranschaulicht das Dilemma am besten, wenn sie sagt: „Ich möchte, dass unser Ort wie Amerika wird. Gemütliche Häuser, luxuriöse Autos, sauberes Wasser, gutes Essen. Ich möchte, dass unser Volk, mein Volk – wenigstens ich – solch ein Leben führen kann. Es ist ein schönes Leben. Wenn man solch ein Leben hätte, würde man nicht sterben, man würde für immer auf der Erde bleiben wollen.“

Dass das Verhalten der Menschen das Klima unserer Erde beeinflusst, dieser Sachverhalt war bereits vor „The Age of Stupid“ allgemein anerkannt. In der Tat ist die eingangs gestellte Frage von großer Bedeutung: Warum unternehmen die Menschen nichts gegen den Klimawandel? Wann wird nicht mehr nur über nachhaltige Politik diskutiert, sondern tatsächlich ein verbindliches und gerechtes Weltklima-Abkommen unterzeichnet?

Franny Armstrong hat bei den Dreharbeiten zu „The Age of Stupid“ den eigenen CO2-Verbrauch dokumentiert und kontrolliert und dadurch einen neuen Maßstab für ökologisches Handeln in der Filmbranche gesetzt. Die Finanzierung verlief per Spendenaufruf (crowdfunding), an dem sich unterschiedliche Gruppierungen, Einzelpersonen und Vereine beteiligt haben, um das Filmprojekt zu realisieren. Ihr Engagement für das Weltklima hat die britische Dokumentarfilmerin auch nach den Dreharbeiten fortgesetzt. Sie versucht unermüdlich ihre Mitmenschen für die Klimakampagne „10:10“ zu mobilisieren, eine britische Petition, die fordert, den Ausstoß an Treibhausgasen bis Ende dieses Jahres um zehn Prozent zu verringern.

Das Dokudrama „The Age of Stupid“ setzt auf seine Zuschauer, die durch Massenproteste die Politik zum Handeln bewegen sollen. Das Zeigen von wissenschaftlichen Experten und Fakten in Verbindung mit den Einzelschicksalen wäre wohl weniger spannend gewesen als das effektreiche Schüren von Zukunftsängsten. Die Idee, eine packende Umweltdokumentation zu drehen, ist respektabel. Schade um die vertane Chance, denn wahrscheinlich wird der Zuschauer lieber in seinem Kinosessel sitzen bleiben, anstatt auf der Straße gegen die gegenwärtige Klimapolitik zu demonstrieren.

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Der Autor des Beitags Magnus Pölcher arbeitet als freier Autor. Er hat Publizistik, Theaterwissenschaften und Neuere Geschichte an der FU Berlin studiert.

Trailer: The Age of Stupid

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