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Der Edeka-Rewe Markencheck!

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Edeka-Rewe MarkencheckKees van Mansom / Foter / CC BY-NC-ND

Edeka-Rewe Markencheck: Am gestrigen Montag setzte die ARD ihre erfolgreiche Markencheckreihe mit einem Beitrag zu den Supermarktketten Rewe und Edeka fort. Als Gegenentwurf zu Discountern wie Aldi, Lidl und Netto werben sie mit Vielfalt, hoher Qualität und fairen Arbeitsbedingungen. Doch wie nah an der Wahrheit ist diese Selbsteinschätzung? Die Ergebnisse der ARD finden sie nachfolgend zusammengefasst.

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Check 1: Die Verkaufsmasche

Der Geschmackstest in deutschen Fußgängerzonen zeigt: Identische Lebensmittel – als Produkte verschiedener Hersteller ausgegeben – werden ganz unterschiedlich bewertet. Die vermeintlichen Käse- und Orangensaftproben von Rewe und Edeka sind deutlich beliebter als die der Konkurrenten Aldi und Lidl – obwohl sämtliche Produkte vom selben holländischen Hersteller stammen. Die Hauptursache für diese verzerrte Wahrnehmung der Konsumenten seien vor allem das gute Image von Edeka und Rewe und die aufwendige, oft hochwertigere Ladengestaltung. So könne etwa ein Pflastersteinen nachempfundener Bodenbelag Frische suggerieren, die im Labor faktisch nicht messbar sei – doch dazu später. Der Kunde empfindet in jedem Fall unterbewusst eine Art Marktsituation und ist bereit mehr für die angebotenen Produkte zu bezahlen.

Die ansprechende Präsentation der Lebensmittel in immervollen Regalen bei Edeka und Rewe verleitet die Kunden zu Mehrkäufen: Studien zeigen, dass mehr als ein Drittel der Supermarkteinkäufe spontan getätigt werden. Begünstigt wird dieses Verhalten durch die vergleichsweise große Auswahl von bis zu 50.000 Produkten in den großen Supermärkten – Discounter haben üblichweise ein Sortiment von wenigen tausend Produkten. Die größere Auswahl führt letztlich zu höheren Kosten an der Kasse. Der durchschnittliche Supermarktkunde neigt nämlich dazu nicht das günstigste oder das teuerste Produkt, sondern eines aus dem mittleren Preissegment einzukaufen. Mit dieser Auswahl liegt er letztlich über dem Preis von Discountern bzw. Eigenmarken der Supermärkte.

Weitere beliebte Verkaufsmaschen: Sammelbilder, Herzchen und “Cash Back”, das direkte Abheben von Bargeld an der Kasse.

Erstes-ARD-Edeka-Rewe Markencheck-Urteil: „Die Verkaufsmaschen bei Rewe und Edeka sind ausgeklügelt.“

Check 2: Der Preis

Dass es zwischen Discountern und Supermärkten keine merklichen Preisunterschiede gibt, erklärt sich aus den Gesetzmäßigkeiten des freien Marktes. Kein Zulieferer könnte im harten Preiskampf mit den Einkäufern der Großhändler lange Zeit signifikante Preisunterschiede rechtfertigen. So verwundert es auch nicht, dass die Testkäufer im ARD-Bericht beim Einkauf von Grundnahrungsmitteln und Produkten des täglichen Lebensbedarfs zwischen Rewe, Edeka und Aldi, Lidl kaum Preisunterschiede ausmachen konnten. Wenngleich Lidl – auch aufgrund von vielen Sonderangeboten – hier im überregionalen Vergleich die Nase leicht vorn hat, sind die Preisunterschieden von rund 1,50 EUR kaum spürbar.  Wohlgemerkt wurden nur die jeweiligen Eigenmarken der Händler miteinander verglichen.

Zweites-ARD-Edeka-Rewe Markencheck-Urteil: „Die Preise bei Rewe und Edeka sind vertretbar.“

Check 3: Die Qualität

Rewe und Edaka werben mit einem Frischevorteil gegenüber der „billigen Konkurrenz“ und mehr „Liebe“ zum Lebensmittel als die preisbewussten Discounter. Der Langzeittest einiger Gemüsesorten im Labor bestätigt dieses Bild nicht: Einen Frischevorteil war bei Rewe und Edeka in den untersuchten Stichproben nicht festzustellen. Im Gegenteil: Die Edeka-Probe war nach fünf Tagen als einzige ungenießbar.

Obst- und Gemüsestand am Nordbad in München - Schwabing
digital cat  / Foter / CC BY

Bei der Untersuchung von Fleisch zeigte sich, dass die Qualität des Kochschinkens der günstigen Rewe-Eigenmarke “ja!”, der etwas „edleren“ Eigenmarke W. Brandenburg und des Schinkens von der Fleischtheke praktisch identisch ist. Die Herstellung findet beim gleichen Produzenten statt – das Fleisch, das für alle drei Sorten genutzt wird – ist dasselbe. Erhebliche Preisunterschiede gibt es dennoch zwischen den drei Produkten.

Ähnliche Ergebnisse bei Edeka: Auch das unterschiedlich abgepackte Hackfleisch von Edeka stammt offensichtlich aus ein und derselben Produktion. Trotzdem zahlt man für das “Premiumprodukt” deutlich mehr.

Drittes-ARD-Edeka-Rewe Markencheck-Urteil: „Große Preisunterschiede sind nicht immer gleichbedeutend mit Unterschieden in der Qualität. Die Qualität bei Rewe ist mäßig, bei Edeka in Ordnung.“

Check 4: Die Fairness

Bei der Untersuchung der Fairness kommt Rewe besonders schlecht weg. Das Eigenlabel „Pro Planet“, das Nachhaltigkeit beim Gemüseanbau und faire Arbeitsbedingungen verspricht entpuppt sich als bloße Imagekampagne. Die Nachprüfbarkeit verbesserter Lebensbedingungen, mit denen Rewe in den „Pro Planet“ Spots wirbt konnte nicht abschließend belegt werden. In vielen spanischen Gemüseplantagen – deren Auftraggeber von den Autoren wohlgemerkt nicht ermittelt werden konnten – herrschen armselige Bedingungen. Die im Bericht gezeigten Arbeiter hausen wie Sklaven in eigens errichteten Bretterdörfern – die Knebel-Arbeitsverträge sind in nicht wenigen Fällen illegal. Rewe räumt schließlich ein, dass eine garantierte Kontrolle der etwa 700 vor Ort produzierenden Betriebe mit wechselnden Arbeitern faktisch nicht möglich sei und ändert im Zuge der Recherchen entsprechende Passagen in seinem Online-Angebot.

Celular 006
Alx 91 / Foter / CC BY-SA

Edeka kooperiert beim Umweltschutz mit Umweltschutzorganisationen, wie dem WWF. Ein eigenes Programm für bessere Arbeitsbedingungen gebe es bei Edeka hingegen nicht. Auch hier herrschten mitunter fragwürdige Arbeitsbedingungen: Obwohl viele gut ausgebildete Fachkräfte beschäftigt werden, wird von (vertraglich geregelten) fehlenden Tariflöhnen und unbezahlten Überstunden berichtet. Laut Verdi sei Tarifflucht, also Lohndumping, in vielen Edeka-Märkten verbreitet. Zudem gebe es nur in 1-2 Prozent der selbständigen Edeka-Märkte Personalvertretungen.

Hinzu kommt, dass bei Rewe, ebenso wie bei Edeka – Arbeit an Fremdfirmen ausgelagert wird. Obwohl in den Verträgen mit den Subunternehmen niedrige Mindestlöhne garantiert werden, kritisieren Arbeitsrechtler dieses Vorgehen, denn die Personalverantwortung schieben die Supermarktriesen so an Dritte weiter. Vielmehr würden nur noch vertraglich geregelte Ergebnisse, nämlich gefüllte Regale gekauft. Beim Fleischhersteller von Rewe, W. Brandenburg, verdienten die Mitarbeiter einer rumänischen Firma 7,50 EUR pro Stunde, obwohl der Tariflohn für einen Fleischzerleger, z.B. in Hessen bei mindestens 11,44 EUR läge. Rewe betont zwar richtigerweise, dass die Konkurrenz noch häufiger mit Fremdfirmen arbeite. Aber auch Rewe – so die ARD-Autoren – betreibe hier offenbar Lohndumping.

Viertes-ARD-Edeka-Rewe Markencheck-Urteil: „Die Fairness bei Rewe und bei Edeka ist unzureichend.“

Der Edeka/Rewe Markencheck in der ARD-Mediathek

Die ARD-Markencheck-Reihe entwickelt sich immer mehr zu einem Positivbeispiel für guten, kritischen und unabhängigen Journalismus. Im Gegensatz zu einigen anderen Formaten bietet der Markencheck einen unmittelbaren Nutzen für den Konsumenten. Die Macher setzen sich kritisch mit der deutschen Lebenswirklichkeit auseinander, indem sie eine Qualitätsdiskussion initiieren und die Produktions- und Arbeitsbedingungen im In- und Ausland unter die Lupe nehmen. Die Sendereihe trägt so entscheidend dazu bei Greenwashing-Kampagnen und plumpe Werbung zu entlarven und die Mündigkeit der deutschen Verbraucher zu erhöhen.

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