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Singapur: Die „Stadt im Garten“

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Marina Bay Singaporewilliamcho / Foter.com / CC BY-NC-SA

Die Stadt im Garten ist nicht nur eine der größten asiatischen Metropolen und das bedeutendste internationale Drehkreuz in der Region Südostasien. Es gilt auch als die grünste Metropole Asiens. Das besondere Singapurer Flair nimmt man in der eher amerikanisch geprägten Innenstadt mit Skyscrapern und unzähligen Malls noch nicht vordergründig wahr. Aber in den bescheidenen, staatlich subventionierten HDB-Areas (Housing and Development), die die Satellitenbezirke rund um das unmittelbare Zentrum am Raffles Place prägen, sieht man, warum Singapur den Ruf als die Gartenstadt Asiens genießt. Lesen Sie fünf kleine Geschichten, die diesen Ruf begründen, und die für jeden der sich in der Stadt bewegt, spür- und erlebbar sind.

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1 . Die Metropole als „Garden City“!

Die Entwicklung Singapurs zu einer „Garden City“ war eine Vision des ehemaligen Ministerpräsidenten Lee Kuan Yew, der kurz nach der Unabhängigkeit des kleinen südostasiatischen Inselstaats in den 1960er Jahren die Idee entwickelte, eine „Stadt im Dschungel“ zu bauen. Stadtentwicklung und natürliche, tropische Umgebung sollten harmonisch miteinander verbunden werden. Singapur ist seit seiner Unabhängigkeit ein sonderbar autoritär, demokratisches Mischsystem, in dem die Dinge oft genau so umgesetzt werden, wie sie im politischen Machtzentrum ersonnen wurden.

Das Stadtbild ist heute geprägt von Straßenbäumen, Grünanlagen und unzähligen kleinen und größeren Parks, die sich in und um die Wohneinheiten ränken. Das Ziel der Stadtväter ist es auch heute noch – trotz der extrem dichten Besiedlung (Singapur ist weltweit die Nr. 3 bei der Siedlungsdichte) – die Parks und das Grün direkt zu den Menschen zu bringen und überall im Stadtbild zu verankern: Vor die Wohnungen, an die Arbeitsplätze, neben die Straßen. Über 3.320 Hektar des Landes sind Parks oder grüne Freiflächen. Darüber hinaus sind zahlreiche Naturschutzgebiete wie Sungei Buloh Wetland Reserve, Bukit Timah und die Central Catchment Nature Reserve eingerichtet worden.

2 . Credo: Kein einziger Wassertropfen geht verloren!

Bis hinein in die 1990er Jahre importierte das rohstoffarme Singapur sein Wasser nahezu vollständig aus anderen Ländern. Heute wird in der Stadt die Idee verfolgt, nicht einen einzigen Tropfen Wasser verlorengehen zu lassen. In den vergangenen Jahren ist es so gelungen, sich deutlich unabhägiger von Importen zu machen.

Verfolgt wird die sogenannte  “Four-Tap-Strategie” (Tap=Wasserhahn). Tap 1 steht dabei für das Sammeln des lokal verfügbaren Wassers. Dazu wurde massiv in Anlagen zur Gewinnung von Regenwasser investiert. Singapur ist eines der wenigen Länder weltweit, die städtisches Regenwasser im großen Maßstab für die Trinkwasserversorgung gewinnen. Tap 2 steht für herkömmliche Importe über Pipelines, meist aus dem benachbarten malaischen Bundesstaat Johor. Tap 3 sieht die Wiederaufbereitung und Wiederverwertung von gebrauchtem Wasser und Tap 4 die Meerwasserentsalzung vor. Mit der 2005 eröffneten Entsalzungsanlage in Tuas, die zu den größten weltweit gehört, werden täglich bis zu 30 Mio. Liter Wasser produziert. So gelingt es der Weltmetropole, einen immer größeren Teil des immensen Wasserbedarfs aus eigenen Ressourcen zu decken. Außerdem werden die häufigen Niederschläge inkl. der Abwässer mittlerweile dazu genutzt, reines H2O für die industrielle Produktion herzustellen.

3 . Saubere Mobilität!

Kallang River
williamcho / Foter.com / CC BY-NC-SA

Elektrische Energie gilt momentan als eine der praktikabelsten und saubersten grünen Energiequellen für individuelle Mobilität und den Massentransport. In Singapur existiert ein landesweites Netz von Stromtankstellen für Elektrofahrzeuge jeglicher Art. Viele davon funktionieren mittlerweile als „Solar-Greenlots“, die ihren Strombedarf regenerativ zu 100 Prozent aus Photovoltaik-Modulen beziehen. Keine schlechte Idee, für eine tropische Sonneninsel.

Taxen und Busse fahren schon seit Jahren zum überwiegenden Teil mit Hybridtechnologie und einem bis zu 30 Prozent geringeren Kraftstoffverbrauch. Der Singapurer Maschinenhersteller ST Kinetics hat zudem kürzlich den weltweit ersten kommerziell nutzbaren Hybrid-Hydraulikantrieb entwickelt, der auch für Traktoren, Lkw und Bagger genutzt werden kann. Die Metro (Mass Rapit Transit – MRT) ist sehr kostengünstig und verkehrt mit hoher Taktung und Zuverlässigkeit (Einen strengen Berliner Winter mit 0°C und hin und wieder sogar Schnee gibt es aber in Singapur auch nicht.)

4 . Singapurer werden bezahlt, um das „Richtige“ zu tun!

Um in Singapur zum Autofahrer zu werden, braucht man nicht nur Führerschein, Fahrzeug und Versicherungen sondern seit 1990 zudem die staatliche Genehmigung (COE – Certificate of Entitlement), sich ein Auto anschaffen zu dürfen. Einmal jährlich legt die Regierung eine Anzahl von Lizenzen fest, die dann monatlich meistbietend versteigert werden. Der Preis für dieses Zertifikat stieg aufgrund der hohen Nachfrage zuletzt – in der Kategorie Kleinwagen – auf einen Rekordwert von über 90.000 SG$ (ca. 52.000 EUR). Sicher gibt es einige gute Gründe, diese Reglementierung zu kritisieren; chaotische Straßenzustände wie in Bangkok, Jakarta oder anderen asiatischen Metropolen werden in Singapur aber so verhindert. Im Unterschied zu den Nachbarländern, wo einen Staus oft für Stunden gefangen halten und der Wirtschaft hohe Produktivitätseinbußen entstehen, braucht es im dichtbesiedelten Singapur außerordentliche Umstände wie Überschwemmungen oder schwere Unfälle, um den Verkehr ins Stocken zu bringen.

Zudem gibt es Benefits für umweltfreundliches Verhalten: So gewähren Veranstalter bis zu 20 Prozent Rabatt, wenn sich Hochzeitspaare entschließen, mindestens acht umweltfreundliche Maßnahmen für ihre Hochzeit umzusetzen. Dazu gehören z.B. die Verwendung von Recyclingpapier, das Abhalten der Zeremonie im naturklimatisierten Raum oder die Nutzung eines Hybridfahrzeugs als Hochzeitskarrose. In Singapur ist eine Art Wettbewerb um die besten „grünen Ideen“ und Konzepte entfacht: So findet man „grüne MRT-Stations“, „grüne Hotels“, „grüne Supermarktketten“ und nette Blogs und Webseiten, die alles zusammenfassen, bewerten und die Ideen weiter pushen.

5 . Groβstadtdschungel durch vertikale Gärten!

Gardens by ther baykyeniz / Foter.com / CC BY

Dass städtische Begrünung an den Häuserfassaden endet, gehört heute nicht nur in Singapur der Vergangenheit an. „Vertical Gardening“ verbessert das Stadtklima, die Energieeffizienz der Gebäude und schafft Lebensräume für biologische Vielfalt. Seit gut einem Jahrzehnt wird die Idee der Ökologisierung von Fassaden durch die Stadt aktiv gefördert. Seitdem sind landesweit mehrere markante Projekte umgesetzt worden, während die Idee im Kleinen vielerorts dazu beträgt, dass Gebäudebegrünung und umliegende Parks miteinander verschmelzen.

Das größte und ehrgeizigste Gartenprojekt, das in Singapur dabei umgesetzt wurde, ist die Schaffung einer durchgehenden, ringförmigen Begrünung rund um die Marina Bay Gegend. Der 2012 fertiggestellte “Garden by the Bay ” erstreckt sich am südlichen Ende der Insel über 100 Hektar, etwa die Größe von 140  Fußballfeldern. Bestimmend für das Bild des Parks sind sogenannte „Supertrees“, baumartige Strukturen von 25-50m Höhe. Vertikale Gärten, die eine Vielzahl biologischer Funktionen erfüllen, und an denen zig einzigartige und exotische Farne, Lianen und Orchideen wachsen und gedeihen. Die „Supertrees“ sind mit Umwelttechnologien ausgestattet, die die ökologische Funktion der Bäume immitieren. Photovoltaik etwa stellt Energie für die Beleuchtung zur Verfügung und treibt Pumpen an, die Regenwasser sammeln und damit Wasserspiele antreiben. Wer den Garten besucht, sollte den erhöhten Skyway zwischen den größeren Supertrees betreten, der einen atemberaubenden Blick über die Anlage bietet.

Singapur hat den klassischen Prozess der Urbanisierung modifiziert, überall in der Stadt „grüne Naturräume“  integriert und Belohnungen für umweltfreundliches Handeln eingeführt. Dieser Prozess ist obrigkeitsgesteuert und weder ideologisch motiviert noch das Ergebnis von Ökofantastereien: Er resultiert zuallererst aus der hohen Ressourcenabhängigkeit des kleinen Inselstaats. Die Einwohner und Besucher der Stadt profitieren heute von hoher Lebensqualität und einer Entwicklung, die Singapur Schritt für Schritt von der „Garden City” zur „City im Garten“ macht.

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