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Veggiday: Fleischloser Tag in deutschen Kantinen

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VeggidayPaco CT / Foter.com / CC BY-NC-SA

Geht es nach den Grünen, soll am Veggiday in den Kantinen der Öffentlichen Verwaltung zukünftig einmal pro Woche fleischlos gegessen werden. Die Empfehlung für einen Veggie Day an jedem Donnerstag soll nach der Bundestagswahl ausgesprochen werden. Die Idee scheint geeignet, Themen wie gesunde Ernährung, Massentierhaltung und Klimaschutz stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Doch eine ganz andere Debatte wird geführt, die Empörungsmaschinerie läuft bereits.

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Die Behördenkantine als Vorbild

Der Veggie Day sieht vor, dass in den Kantinen und Mensen öffentlicher Einrichtungen einmal pro Woche ausschließlich vegetarisch und vegan zubereitete Gerichte angeboten werden. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, sagte dazu der Bild: „Ein Veggie Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns ohne Fleisch und Wurst ernähren.“ Vegetarisch zu kochen, so Künast weiter, bedeute mehr als nur das Fleisch wegzulassen, es sei auch gut für das Klima und trage zu Qualitätsbewusstsein gegenüber Lebensmitteln sowie artgerechter Tierhaltung bei. Nach Ansicht der Grünen würde der Vegetariertag dabei helfen, den Fleischkonsum der Bundesbürger zu senken und einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln zu fördern.

Gegen Vernunft hilft die Dirigismuskeule

Scheinbar betrachten sich Vegetarier und Fleischesser mittlerweile mit einer ähnlichen Skepsis wie Raucher und Nichtraucher. Zudem ist Wahlkampf und deshalb verwundert es nicht, dass die Reaktionen auf das Ansinnen mitunter heftig ausfallen: Während FAZ-Kommentatorin Roßbach die Idee als ausgemachte „Unverschämtheit“ entlarvt und FDP-MdB Lindemann Nazi-Vergleiche bemüht, sieht FPD-Spitzenkandidat Brüderle gar die bürgerliche Freiheit gefährdet. Die Reflexe funktionieren: Sobald jemand – zumal eine Grüne – einen durchaus bedenkenswerten Vorschlag macht, um das Konsumverhalten – sei es auch nur in homöopathischen Dosen – etwas  nachhaltiger zu gestalten, folgt der kollektive Aufschrei: Das Ende der Freiheit droht! Dass es auch zukünftig jedem Beamten freisteht, in der Mittagspause den nächstbesten Dönerstand zu frequentieren, wird ignoriert – die Auseinandersetzung mit den eigentlichen Motiven des Veggie Days kommt zu kurz.  

Dilemma zwischen moralischem Empfinden und Alltagswirklichkeit

Die Debatten um Massentierhaltung, Klimaschutz oder Qualität und Preis von Lebensmitteln sind geprägt von einem Mismatch. Moralische Ansprüche und Weltverbesserertum passen nicht zu den Alltagsgewohnheiten. Viele  Menschen haben den Wunsch, an jedem einzelnen Tag Fleisch zu essen. Die Empörung über staatlichen Dirigismus und die Warnung vor einem Ende der Freiheit eignen sich da bestens, um das Dilemma wegzudrücken, dass irgendwo zwischen der Empörung nach der Schlachthof-Doku und der Auswahl des Mittagessens wabert. Dass die Deutschen – trotz steigender Zahl der Vegetarier – noch nie so viel Fleisch gegessen haben wie in den vergangenen Jahrzehnten, dass der Fleischverbrauch in den Schwellenländern förmlich explodiert, dass die industrielle Massentierhaltung unerträgliche Ausmaße angenommen hat, all das wird zwar zur Kenntnis genommen, aber offenbar unzureichend reflektiert.

VeggidaySoja-Plantage: Gerade in Südamerika ist die Pistizidbelastung oft enorm hoch.andrea sf / Foter.com / CC BY-NC-ND

Dabei sind die Argumente für eine Reduzierung des Fleischkonsums hinlänglich bekannt: In Südamerika werden etwa mit unkontrolliertem Pestizideinsatz riesige Sojamengen als Tierfutter produziert. Die Ackerflächen gehen für den Anbau von Getreide verloren – die Bevölkerung hungert. Die Krebsraten in der Nähe der Sojafelder steigen auf exorbitante Werte. Hinzu kommt die Rodung von Waldflächen, v.a. des tropischen Regenwaldes, für Weideflächen, auf denen die weltweit mehr als 1,5 Mrd. Rinder grasen. In der europäischen Viehmast werden Pharmazeutika schließlich so exzessiv eingesetzt, dass etwa das Fleisch von Masthühnern zu 92 Prozent mit Antibiotika belastet ist und antibiotikaresistente Keime im nitratverseuchten Grundwasser landen. Die Umweltbilanz der Fleischproduktion ist verheerend.

Die Fixierung unseres Essverhaltens auf den Verzehr von Fleisch ist durch Subventionen politisch gesteuert. Momentan werden die Auswirkungen des Fleischkonsums vergesellschaftet, während die Gewinne an die Produzenten fließen. Fleisch zu essen, ist Luxus. Um das Bewusstsein dafür zu schärfen, bedarf es manchmal Ideen wie eines Veggie Days. Natürlich wird es keinen fleischfreien Tag in Deutschland geben, aber zukünftig vielleicht einige Menschen mehr, die freiwillig – sei es auch nur an einem Wochentag – aufs Fleisch verzichten.

Weblink: Kampagnenseite – Donnerstag ist Veggietag

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