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Wohin mit dem Müll? Möglichkeiten der Endlagerung nuklearen Abfalls

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Weltweit nutzen 31 Staaten die Kernspaltung zur Energieerzeugung. Erst vor etwa 50 Jahren, 1961, wurde in Deutschland das erste Kernkraftwerk erbaut und zurzeit sind 17 Werke, die ca. 22% des bundesweiten Strombedarfes abdecken, am Netz. Seit 2002 läuft der Atomausstieg, wonach die einzelnen Atomkraftwerke nach und nach wieder abgeschaltet werden sollen; ein Prozess, der voraussichtlich bis 2022 abgeschlossen sein soll. Die verheerenden Folgen eines Atomunfalls sind spätestens seit 1986 und dem Tschernobyl-Unglück, das mehrere hunderttausend Opfer forderte, weitreichend bekannt. Dass aber auch bei sicherer Nutzung dieser Technologie am Ende ein nicht abschätzbares Risiko durch den übrig bleibenden nuklearen Abfall entsteht, dieser Gedanke wird nur zu häufig verharmlost oder verdrängt. Welche Möglichkeiten der Endlagerung radioaktiver Stoffe gibt es überhaupt? Und wie sicher sind diese?

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Mit dem Begriff des nuklearen Abfalls werden die Reststoffe bezeichnet, die bei Prozessen mit radioaktivem Material übrig bleiben und die weder aufbereitet noch anderweitig benutzt werden können. Dazu zählen neben den eigentlichen chemischen Elementen wie etwa Uran, Plutonium oder Cäsium auch kontaminierte Technik, Werkzeuge, Anlagen o.ä., die direkten Kontakt mit diesen Elementen hatten und daher selbst radioaktiv verseucht sind. Für diese unbrauchbaren Reststoffe muss eine sichere Lagerung gefunden werden. Und dies ist eine fast unmöglich zu bewältigende Herausforderung. Die Ursache dafür liegt in der Halbwertszeit der chemischen Elemente. Diese beschreibt die Zeit, in der genau die Hälfte der Atome einer Probe zerfällt. Die Halbwertszeiten radioaktiver Stoffe sind unvorstellbar hoch: bei Plutonium sind es 80 Millionen, bei Uran sogar über 4 Milliarden Jahre! Bei solchen Zahlen eine wirklich sichere Endlagerung zu garantieren, ist schlicht aussichtslos. Daher lautet die Bilanz auch wie folgt: Weltweit gibt es derzeit kein einziges Endlager! Dennoch wird auch in der Bundesrepublik schon lange nach einer halbwegs akzeptablen Lösung gesucht, weil Methoden wie das einfache Versenken im Meer nicht länger tragbar sind – und es eigentlich auch nie waren.

Momentan werden die bereits vorhandenen radioaktiven Abfälle in Zwischenlagern aufbewahrt. Die Suche nach einem geeigneten Endlager läuft hierzulande bereits seit den 1970er Jahren. Einig ist man sich insofern, als dafür geologische Formationen in weiter Tiefe am zweckdienlichsten seien, wobei Steinsalze aufgrund ihrer Eigenschaften als besonders geeignet gelten. Sie weisen eine geringe Durchlässigkeit gegenüber Flüssigkeiten oder Gasen auf, besitzen eine hohe Wärmeleitfähigkeit und  günstige Hohlraumstabilität. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen wurde aus diesen Gründen als Ort für die Endlagerung des deutschen Atommülls angedacht. Doch die weitere Erkundung des Salzstockes ist seit 2000 aufgrund eines Moratoriums unterbrochen.

Politische Meinungsverschiedenheiten können die unausweichlichen Fragestellungen aber lediglich aufschieben, gänzlich aufheben werden sie sich nicht lassen, denn die Menge des radioaktiven Abfalls wächst stetig weiter an und es ist unverantwortlich, sich angesichts der Bedrohung, die von den Fässern voll strahlendem Müll ausgehen können, nicht damit auseinanderzusetzen. Genau das ist es allerdings, was die verursachenden Energieunternehmen seit jeher machen. Den Problemen der Endlagerung ihrer Abfallprodukte widmen sie genauso wenig Aufmerksamkeit, wie denen der Bezahlung. Laut Atomgesetz § 9 ist das nämlich Aufgabe des Bundes. Nur aus diesem Grund lässt sich Atomstrom überhaupt noch bezahlbar vermarkten. Müssten sämtliche Kosten der Entsorgung und finalen Lagerung von den Versorgern selbst getragen werden, wäre mit der Energieerzeugung durch Kernspaltung kein Geschäft mehr zu machen.

Doch auch wenn sich ein Salzstock oder eine andere Gesteinsformation finden lässt, der bzw. die als Endlager ausgebaut und genutzt werden kann, so bleiben noch immer eine Reihe von Risiken bestehen. Geologische Entwicklungen wie z.B. Erdbeben oder Überflutungen sind unmöglich für die Dauer der Einlagerung vorhersagbar. Und auch wenn Salzgestein als geeignet gilt, so kann doch nie eine absolute Sicherheit gewährleistet werden. Ein Austreten radioaktiver Substanzen bleibt also durchaus möglich. Desweiteren muss damit gerechnet werden, dass bereits in einigen hundert Jahren das Wissen um die Endlagerungsstätte abhanden gekommen ist. Auch wenn niemand mehr von den Gefahren weiß, muss eine unbeabsichtigte Öffnung des Lagers verhindert werden. Das ist der Grund, warum in besondere Tiefen gegraben wird: In Gorleben wäre eine Lagerung in über 800m unter der Erdoberfläche möglich. Bei all den Risiken stellt sich allerdings die Frage, ob überhaupt jemals eine vernünftige, einigermaßen tragfähige Lösung gefunden werden kann.

Es bleibt somit eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Der Weg, auf den sich mit dem Bau und der Inbetriebnahme von Atomkraftwerken begeben wurde, muss nun zu Ende gegangen werden.

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